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Herzlich Willkommen!

Performerin, Schauspielerin, Tänzerin (i. A.), Autorin, systemische Beraterin (i. A.), Systemaufstellerin (i. A.), Inklusionsberaterin

Sie befinden sich auf der Webseite von Jana Zöll.

Viel Spaß beim Umsehen!

Inklusives Theater? – Ein Manifest –

Erstmal muss ich mit einem weitverbreiteten Missverständnis aufräumen: Inklusion heißt nicht ein paar „Behinderte“ mit einzubeziehen. Inklusion ist für alle da. Und betrifft alle. Ausnahmslos.

Trotzdem kann ich natürlich nur aus der Perspektive einer Künstlerin mit Behinderung schreiben.

Für Menschen mit Behinderung beginnt ein inklusives Theater bei Barrierefreiheit, das heißt sowohl Barrierefreiheit vor als auch hinter der Bühne. Dafür möchte ich hier nur ein paar Beispiele nennen, weil mir dieses Thema bei der Allgemeinheit schon am präsentesten zu sein scheint: Einbindung von Audiodiskreption, Gebärdensprache und leichter Sprache in Vorstellungen und jedweder Öffentlichkeitsarbeit und natürlich auch in die Probenprozesse, wenn benötigt. Barrierefreie Wege, Anpassung der Arbeitsweise und Struktur. Dies betrifft vorallem Arbeitszeiten und -pensum, aber auch Arbeitssprache und Kommunikation. Davon würden ohnehin viele profitieren.

Weiter geht es bei der Öffentlichkeitsarbeit und den Medien. Es ist in der heutigen Zeit, wo Inklusion noch nicht selbstverständlich ist, sicher verlockend damit zu werben ein „inklusives Theater“ zu sein. Aber sicher möchte keine Künstler*in gerne als etwas anderes gelabelt werden als als Künstlerin. Nehmt eure Künstler*innen als solche ernst und nicht als Behinderte, Migrant*innen oder sonst irgendetwas. Inklusion wird ohnehin Missverstanden, wenn man sie als solche ständig benennen und die Menschen in Kategorien einordnen muss.

Liebe Theaterkritikeri*innen könnt ihr bitte einfach über die Kunst (oder meinetwegen auch nicht-Kunst) und nicht über die Person oder das Erscheinungsbild der Künstleri*innen schreiben?

Für mich ganz persönlich als Künstlerin das wichtigste Thema am Theater: Besetzung und Dramaturgie. Eine ganz allgemeine Frage: warum wird immer noch hauptsächlich nach äußerer Erscheinung und den dazu passenden Klischeebildern besetzt? Und auch eine radikale Besetzung gegen den Strich, die sich aber immernoch vorallem am Äußeren orientiert, keut die Klischees nur in anderer Form wieder. Liebe Menschen, die ihr für die Besetzung verantwortlich seid, habt den Mut und nehmt euch die Zeit euch eure Performeri*innen genau anzuschauen, damit ihr sehen könnt wen oder was sie wirklich verkörpern (können und auch wollen). Ich halte sehr viel von ernstgemeinten Arbeitsproben, aber bitte nicht nur bei den vermeintlichen „Spezialfällen“. Das wäre der Anfang um wirklich neue und auch wahre Geschichten zu erzählen.

Das wichtigste Thema um neue und wahre Geschichten zu erzählen ist aber die Repräsentation. Um neue Perspektiven im Theater sichtbar zu machen und neue Bilder zu schaffen müssen die unterschiedlichsten Menschen alle erdenklichen Positionen auf und hinter der Bühne bekleiden.

Damit aber überhaupt alle erdenklichen Menschen die Chance haben jedwede Position am Theater zu bekleiden und auf Augenhöhe miteinander zu arbeiten, müssen sich die Ausbildungen öffnen!

Theatermacheri*innen hört auf euch dahinter zu verstecken, der „Markt gäbe keine Diversität her“. Fordert diese Öffnung der Ausbildungsstätten ein, gebt die Nachfrage mit Nachdruck kund, damit sich die Ausbildungsstätten nicht mehr damit rausreden können, es gäbe kein Bedarf von beispielsweise Künstleri*innen mit Behinderung!