Presse

29.04.13 KulturSpiegel (von Anke Dürr) Normal ist anders

„…Gerade hat er in Ulm sein eigenes Stück „Die Stunde der Viper“ inszeniert; ein kleines Stück über zwei Reisende in einem Zugabteil, im Stück heißen sie nur „Der Kleine“ und „Der Große“, es ist ein Machtspiel. Radtke lässt „den Kleinen“ in seiner Inszenierung von Jana Zöll spielen. Zöll hat ebenfalls Glasknochen; nur 90 Zentimeter ist sie groß. Das Spiel mit dem Phänomen, dass man sie immer unterschätzt, scheint ihr großen Spaß zu machen, und es leuchtet plötzlich auch ein, warum „der Große“ niemanden zu Hilfe holt, solange es noch nicht zu spät ist: Er will sich nicht lächerlich machen. „Die Stunde der Viper“ ist auch ein intelligentes Stück über Manipulation – und hätte es verdient, über die Behindertentheaterszene hinaus beachtet zu werden.

Jana Zöll, 28, gehört zu den wenigen Schauspielern, die die massive Barriere zwischen Behindertentheater und Stadttheater wenigstens zeitweilig überwunden haben. Auch sie wird beim Theatertreffen in Berlin zu sehen sein, in „Krieg und Frieden“, entstanden als Co-Produktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen und des Leipziger Centraltheaters.

Zöll hat nach dem Abitur an der Ulmer Akademie für darstellende Kunst studiert, der einzigen Ausbildungsstätte für Schauspieler, die auch körperbehinderte Studenten annimmt – den Impuls dazu gab Peter Radtke. „Nach meiner Ausbildung habe ich mich deutschlandweit bei allen Theatern beworben, die ich finden konnte“, erzählt Zöll. „Der Leipziger Intendant Sebastian Hartmann war der einzige, der mich zum Vorsprechen eingeladen hat.“

Hartmann ist auch der Regisseur von „Krieg und Frieden“. Er hat für die Bühnenversion den Riesenroman von Leo Tolstoi zerpflückt und neu zusammengesetzt – nicht mehr die Handlungsabläufe stehen im Zentrum, sondern Themenkomplexe wie „Glaube“, „Ich“ oder „Sehnsucht“. Das erlaubt ihm, auch die Figuren des Romas neu zu gruppieren.

In einer Szene spielt Jana Zöll Napoleon und zugleich das Baby von Lise und Fürst Andrej. In einer Art Kindersitz ist die Schauspielerin auf der schrägen Bühne fixiert, wechselt ansatzlos von der Rolle des Feldherrn in die des unschuldigen Kindes und zurück. Sie wird zu einem Wesen, das Macht und Ohnmacht, Schuld und Unschuld zugleich verkörpert.

Es ist ein gutes Beispiel für das, was Radtke mit der Dimensionserweiterung einer Rolle durch einen behinderten Darsteller meint. In einer späteren Szene von „Krieg und Frieden“ wird Jana Zöll von ihrem Kollegen Hagen Oechel über die Bühne getragen. Beide sind nackt. Als ich das sehe, ärgere ich mich einen Schockmoment lang über diese Provokation. Ich will nicht, dass der Regisseur für eine spektakuläre Szene die Schauspielerin so schutzlos meinen Blicken ausliefert. Dann schaue ich noch mal hin, und plötzlich sehe ich ein Paar, das in einem einzigen Bild von den Folgen des Krieges erzählt und von einer Sehnsucht nach Unschuld. Die Schutzlosigkeit ist nötig; sie ist das Thema.

Trotzdem: Warum hat Jana Zöll da mitgemacht? Sie lacht über diese Frage. „Eigentlich habe ich den Regisseur dazu provoziert“, sagt sie. „Als er wirklich auf meinen Vorschlag eingegangen ist, war ich allerdings dezent überfordert.“ Sie hätten die Szene dann lange bekleidet geprobt. „Bei einem anderen Regisseur wäre dieser Auftritt vielleicht nicht in Ordnung gewesen“, sagt Zöll, „aber Hartmann nimmt mich ernst.“ Deshalb vertraut sie ihm. „Seine Inszenierungen sind oft nah an der Grenze zur Freakshow“, sagt die Schauspielerin, „aber er überschreitet diese Grenze nicht.“

Vielleicht, denke ich manchmal, sollte es endlich mal jemand tun – übergroße Vorsicht und Political Correctness jedenfalls hat die Integration behinderter Schauspieler ins professionelle Theater nicht vorangebracht in den vergangenen 20 Jahren. …“

12.04.13 Südwest Presse (von Natalie Deininger) Uraufführung an der AdK: „Die Stunde der Viper“ von Peter Radtke

„…“Ich werde Sie töten“! „Wer sind Sie überhaupt?“ „Ihr Schicksal! Und Sie haben schon richtig gehört: Ich werde Sie töten!“ Dieser Dialog entspinnt sich zwischen zwei scheinbar willkürlich aufeinandertreffenden Menschen in einem Zugabteil der 1. Klasse. Irgendwo im Großraum Stuttgart. Der eine, ein erfolgreicher Geschäftsmann (Holger Birke). Der andere, eine kleinwüchsige Frau (Jana Zöll), eine Schlange – die Viper. Sie verwickelt ihn in ein Gespräch, das zum zerstörerischen Sog wird und ihn unwiederbringlich in den Abgrund reißt. …“

12.05.12 Welt Online (Von Stefan Keim) Erkenntnistheorie für weiße Kaninchen

„… Im Sprechchor beginnt sein 14-köpfiges Ensemble den Abend und verteilt die Rollen danach in jeder Szene neu. Das klappt überraschend gut, weil die Schauspieler im Handumdrehen Intensität erzeugen, sie komödiantisch brechen, um dann wieder ernsthaft einzusteigen. …“

„… Nach der zweiten Pause jedoch wird sie grandios. Da schleift sich die neunzig Zentimeter kleine, durch ihre Glasknochenkrankheit gehbehinderte Schauspielerin Jana Zöll als Napoleon über die Bühne und begegnet einem nackten Mann, der sie vorsichtig entkleidet. Ein Dialog wie unter fremden, sprachbegabten Tieren im Märchenland entsteht. Schließlich ziehen sich die beiden wie Wölfe heulend in den Hintergrund zurück und sitzen dort eng umschlungen, während weitere Fabelfiguren auftauchen, die aus dem Wunderland Lewis Carrolls entsprungen sein könnten. …“

11.05.12 Westdeutsche Zeitung (von Marion Troja und Cathérine Wenk ) Ruhrfestspiele: Kanonenschlag ohne Widerhall

„… Jana Zöll, die sich als kleinwüchsige Frau gekonnt von einem schreienden Säugling zum näselnden Napoleon entpuppt, sorgt für irritierte Konzentration. …“

„… Ein Raunen geht durch den Saal, als Zöll mit Napoleon-Hut und Fransen-Rock am Bühnenrand entlang robbt, um anschließend von einem nackten Mann entkleidet zu werden. Behütet wie einen Schatz, hält er die zerbrechliche Frau in seinen Armen – die Figur des Napoleon verwandelt sich in ein um Liebe ringendes Geschöpf.“

11.05.12 WA.de (von Ralf Stiftel) „Krieg und Frieden“ bei den Ruhrfestspielen

Kindlicher Napoleon: Jana Zöll in „Krieg und Frieden“ bei den Ruhrfestspielen ▪© Arnold

„Kindlicher Napoleon: Jana Zöll in „Krieg und Frieden“ bei den Ruhrfestspielen“

„… Auf der Bühne gebiert Lisa ihr Kind, das sich in Napoleon verwandelt. Die kleinwüchsige Jana Zöll spielt famos zwischen Babyheulen und wütendem Kommandogebrabbel. …“

„… Es folgt die riskanteste Szene, die „Wolfsjagd“, bei der Hagen Oechel und Jana Zöll sich nackt zusammenkauern, und es glückt. …“

11.05.12 Der Westen (von Ralph Wilms) „Krieg und Frieden“ mit Bildgewalt bei den Ruhrfestspielen

„… Jana Zöll, die zerbrechliche Person, die sonst in ihrem kleinen Rollstuhl über den Bühnenrand gejagt wird, ist in einer wenige Minuten kurzen Doppel-Szene zuerst wimmernder Säugling, dann der geifernde Imperator Bonaparte. Manche Bilder dieser übergroßen Inszenierung wirken viel stärker nach als die Worte des bitteren Romanciers.“

10.05.12 Die Nachtkritik (von Martin Krumbholz) Krieger und Grenzkünstler“

„… immer wieder gelingen dem Regisseur und den Schauspielern hinreißende, betörende Bilder – mit dem ganzen Ensemble, zu zweit, allein. Wenn etwa Lisas frischgeborenes Baby (sie stirbt bei der Geburt) sich plötzlich in den kleinen Napoleon Bonaparte verwandelt – und auch wieder zurück. …“

„… Und zum Gelingen des Abends gehört letztlich auch, dass selbst das Prekäre gelingt. Wenn ein nackter Schauspieler eine kleinwüchsige Darstellerin entkleidet und auf dem Arm über die Bühne trägt – wie (vielleicht) Christopherus den Heiland –, könnte dieses Bild der (nicht nur ideellen, auch physischen) Liebe in den gut gemeinten Kitsch entgleiten. Das passiert nicht, denn wunderbarerweise gelingt in dieser Inszenierung, zu der Tolstois Roman den Inhalt, aber nicht die Form geliefert hat, beinahe alles.“

5.9.10 Kölner Stadtanzeiger „Mit Lise Liebe und Leid erlebt“

Mit Lise Liebe und Leid erlebt

Von Petra Grebe, 05.09.10, 16:06h, aktualisiert 05.09.10, 17:06h

Die Schauspielerin Jana Zöll zeigte im Casino ihr bewegendes Stück „Spiel mir das Lied vom Leben“. Noch vor dem Ende des Theaters fand im Labyrinth am Amtsgericht eine Licht-Feuer-Performance statt.

Bild verkleinern

Jana Zöll

Bild verkleinern
Jana Zöll beeindruckte ihr Publikum mit einfühlsamem Schauspiel. (Bild: Grebe)

Euskirchen – Eindrucksvolles Theater gab es am Samstagabend im Casino in Euskirchen zu sehen. Jana Zöll präsentierte sich im Rahmen des Internationalen Labyrinth-Kongresses mit ihrem selbst geschriebenen Stück „Spiel mir das Lied vom Leben“. Zahlreiche Besucher zog es in das alte Casino, um die junge Schauspielerin zu erleben.

Von Beginn an gelang es Zöll, die überwiegend weiblichen Besucher in ihren Bann zu ziehen. Obwohl sie nur 90 Zentimeter groß ist und aufgrund ihrer Glasknochenkrankheit auf den Rollstuhl angewiesen ist, erschuf die Blankenheimer Schauspielerin große Bilder auf der Bühne. Sie erzählte von Lise, von deren jungem Leben, von Ängsten, Verzweiflung, Hoffnungen und Träumen. Jana Zöll zog ihr Publikum mit ihrem intensiven Spiel mitten hinein in das Leben von Lise, einem Kind, das mit Gewalt groß wird und einen Weg findet, um damit fertig zu werden. Danach sehen die Besucher Lise als junge Frau, die die große Liebe, aber auch tiefe Verzweiflung erlebt – und trotz allem doch am Leben festhält.

Für die zweite Veranstaltung an diesem Abend, die im Rahmen des Labyrinth-Kongresses stattfand, musste es richtig dunkel sein: Im Labyrinth am Amtsgericht stand die Licht-Feuer-Performance „Sternen-Feuer“ mit fantasievollen Großfiguren auf dem Programm. Die Künstler Dorothee Molitor und Markus Eisolt, die Geschichtenerzählerin Claudia Golomb sowie die Aktionskünstlerin und Malerin Karla-M. Götze brachten Poesie und Bewegung in das Labyrinth. Leider waren die beiden Veranstaltungen zeitlich nicht aufeinander abgestimmt, so dass die Theaterbesucher die Aktion im Labyrinth nicht vollständig miterleben konnten.

7.9.10 Kölnische Rundschau „Trauriges Lied vom Leben der kleinen Lise“

Trauriges Lied vom Leben der kleinen Lise

Erstellt 07.09.10, 07:00h

Was Lise als Kind denkt und fühlt vermittelte die Schauspielerin Jana Zöll aus Blankenheimerdorf jetzt in einem lehrreichen Erzählstück. „Spiel mir das Lied vom Leben“ heißt es, und Gastgeber war der Verein „Labyrinth Euskirchen“.

EUSKIRCHEN – Lise und Berte sind Schwestern. Aber die Erwachsenen sehen das nicht so. Berte sei nur eine Puppe, sagen sie. Die beiden malen gerne zusammen. Gerade haben sie eine große bunte Sonne auf die Wand gezeichnet. „Jetzt scheint in diesem Zimmer immer die Sonne“, freut sich das kleine Kind. „Papa, guck mal.“ Doch Papa schimpft nur. „Papa meint das nicht so“, sagt Mama. Und Lise kennt den Satz zu genüge. Die gesamte Kindheit über hört sie ihn immer wieder.

Was Lise als Kind denkt und fühlt vermittelte die Schauspielerin Jana Zöll aus Blankenheimerdorf jetzt in einem lehrreichen Erzählstück. „Spiel mir das Lied vom Leben“ heißt es, und Gastgeber war der Verein „Labyrinth Euskirchen“ im Rahmen des „5. Internationalen Labyrinth-Kongresses“.

Fast zwei Stunden lang legt Zöll das Ein-Personen-Stück auf die Bühne des Casinos. Besonders die Fähigkeit der 25-Jährigen, mit ihrer Stimme ganz dicht an ihrer Figur zu sein und bruchlos zwischen der erzählenden und der in direkter Rede agierenden Lise zu wechseln, lässt das Schauspiel ganz nah werden. Mit ihren sprachlichen Fähigkeiten lenkt die Schauspielerin geschickt von ihren eingeschränkten Möglichkeiten ab, sich körperlich auszudrücken.

Jana Zöll wurde mit der Glasknochenkrankheit geboren, ist auf den Rollstuhl angewiesen und nur 90 Zentimeter klein. Ob die Krankheit auch bei ihrer Figur „Lise“ eine Rolle spielt, lässt sie offen. Aber es ist auch unerheblich. Denn die Qualen, die Lise in ihrem Leben durchmacht, sind davon unabhängig. Die Mutter wird vom Vater geschlagen und bringt sich schließlich um. Lise findet sie im Bett, als sie von der Grundschule heim kommt. „Ich krabbel zu Mama ins Bett. Ich will ihre Wärme spüren.“ Doch die ist nicht mehr da.

Besonders die seelische Wärme fehlt Lise. Sie fühlt sich verlassen. So wie es ihr immer in ihrem Leben passiert: Die Eifeler Oma, die sie zu Lebzeiten ihrer Mutter mit dem kleinen Bruder Benjamin stets besuchte und bei der Lise sich immer sehr wohl gefühlt hatte, verdrängt die Situation und lässt das Mädchen im Stich. Diese Oma ist die einzige Nebenfigur, in deren Rolle Jana Zöll zwischendurch schlüpft. Und sie gibt eindrucksvoll wieder, wie sie vom Vater geschlagen und zur Hausarbeit gezwungen wird. Eine Rückzugmöglichkeit gibt es nicht: Die beste Freundin ignoriert sie, die erste Liebe entpuppt sich als Schwein und der erste richtige Freund stirbt, als er bei einem Unfall als Sanitäter helfen will. Zöll scheint in ihrem Stück mit den Ereignissen zu übertreiben. Das deutlich überwiegend weibliche Publikum spendet stehend Ovationen, und Lebensberaterinnen im Publikum kennen solche Lebensläufe. Besonders beeindruckt die Authentizität von Jana Zölls Spiel und wie sie sich in das Denken und Verhalten der Menschen hineinversetzt, die zunächst nur eines wollen: überleben.

Eine besondere Herausforderung bedeutete für die Schauspielerin die Stimmungsmusik, die aus einer benachbarten Kneipe zur Aufführung im Casino herüberdrang. Zudem tat sich die Technikerin oftmals schwer damit, die richtige Lautstärke der Musikeinspielungen zu wählen und änderte sie mehrfach rapide. (mjo)

29.12.2009 Kölnische Rundschau „Kampf gegen Schubladendenken“

Kampf gegen Schubladendenken

Von RENATE HOTSE, 29.12.09, 07:00h

BLANKENHEIMERDORF. Stattet man im Internet der Homepage von Jana Zöll einen Besuch ab, fällt der Blick zunächst auf große, blau-grüne Augen. Besucht man die junge Frau zuhause in Blankenheimerdorf, sieht man, wer hinter diesem Augenpaar steckt: eine ausgebildete Schauspielerin, die – vor 24 Jahren mit der so genannten Glasknochenkrankheit geboren – nur 90 Zentimeter groß und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Doch schon nach wenigen Minuten gerät ihre äußere Erscheinung in den Hintergrund und man ahnt, warum Peter Radtke, Philosoph, Autor und Schauspieler, von ihr sagt: „Sie ist eine begnadete Schauspielerin.“

„Mir sagen nach der Vorstellung immer wieder Zuschauer, dass sie nach zehn Minuten meine Behinderung vergessen hätten“, bestätigt Jana Zöll. Zurzeit spielt sie im Centraltheater Leipzig in Anton Tschechows „Kirschgarten“. Davor wirkte sie bei einem Theaterprojekt Peter Radtkes in Ingolstadt mit, demnächst ist sie vielleicht in Ludwigshafen in „Antigone“ zu sehen, wo sie im Oktober zum Vorsprechen war. „Eine ganz tolle Rolle“, sagt sie – und hofft auf eine Verpflichtung.

Denn während sie in der Vergangenheit immer wieder wegen ihrer Behinderung engagiert worden sei, wäre dies einmal keine „Special-Rolle“, erklärt sie. Daher habe sie auch keine Traumrolle, sondern nur den Wunsch, nicht als Behinderte „abonniert“ zu sein. Vom Theater würde sie auch gerne einmal zum Fernsehen oder Film wechseln: „Das wäre cool.“

Der Weg auf die Bühne ist steinig, für Jana Zöll war er doppelt hart. Vier Jahre lang – von 2004 bis 2008 – bewies sie an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm eisernen Durchhaltewillen und bestand die Abschlussprüfung mit Bravour. Ihr Abitur hatte sie zuvor am Bad Münstereifeler St. Michael-Gymnasium abgelegt. Vier Jahre danach, unmittelbar nach Beendigung ihrer Ausbildung, kehrte sie noch einmal dorthin zurück und begeisterte Lehrer wie Schüler mit ihrem selbst geschriebenen Monologstück „Die Liebe in Gedanken“. Bevor sie im Januar nach Leipzig zurückkehrt, wird sie es morgen in Sötenich noch einmal in heimatlichen Gefilden zur Aufführung bringen.

Lampenfieber habe sie kaum, erklärte sie: „Während andere schon in der Nacht nicht schlafen können, stellt sich das bei mir erst kurz vor der Aufführung ein.“ Auch ihre Behinderung sei bei der Zusammenarbeit im Ensemble kein Problem. Aber ausgerechnet die Proben zum Stück von Peter Radtke, das das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten zum Thema hatte, seien die bisher schwierigsten gewesen, erinnert sich Zöll. Da habe man „unheimlich viel“ mit dem berühmten Künstler, der ebenfalls mit der Glasknochenkrankheit geboren wurde, diskutiert. Der Grund: Den jungen Schauspielern war das, was Radtke entworfen hatte, zu belehrend und schablonenhaft, der Behinderte zu sehr im Recht. „Wir Jüngeren konnten uns da nicht wiederfinden, seine Position war uns zu extrem“, sagt sie. Erst im Nachhinein könne sie ihm in manchen Dingen folgen: „Die Probleme, um die es im Stück ging, existieren tatsächlich.“

Ihre eigenen Erlebnisse liefern zuweilen Grund zum „Fremdschämen“. Etwa, als ihr im Teenageralter ältere Damen mitfühlend über den Kopf streichelten. „Das war, vor allem, wenn dann auch noch Freunde dabei waren, nur noch peinlich.“ Oder, als „absolute Krönung“, ein Vorfall während ihrer Ausbildung: „Da saß ich mit einem Freund im Café, als eine ältere Frau sich zu ihm beugte und meinte, er sei aber ein netter Mensch, weil er sich mit mir unterhalte.“ Noch heute bedaure sie, dass sie – beide nicht auf den Mund gefallen – in diesem Moment sprachlos angesichts so großer Taktlosigkeit um eine passende Antwort verlegen blieben.

Im Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten müsse sich noch viel ändern, findet Jana Zöll, die nicht nur schauspielert, sondern auch singt und schriftstellerisch tätig ist. Zu viele täten sich schwer mit engeren Kontakten und blieben auf Distanz. Andere wiederum verhielten sich bemüht nett: „Die denken, einen Behinderten darf man nicht verletzen.“ Schubladendenken erlebe sie auch immer wieder bei Regisseuren, die sich nicht vorstellen könnten, mit ihr zusammenzuarbeiten. Was sie sich wünsche im Umgang mit Behinderten? „Einfach Normalität.“

Die Liebe in Gedanken: Ihr Monolog-Theater präsentiert Jana Zöll am Mittwoch, 30. Dezember, 19 Uhr, im Rahmen des „Kulturbebens“ im Sötenicher Café „Unter 2 Linden“.

www.zoell.wordpress.com

26.06.2009 Donaukurier „Normalos kontra Behinderte“

Normalos kontra Behinderte

Ingolstadt (DK) Vier Schauspieler erarbeiten gemeinsam eine literarische Collage zum Thema Behinderung. Nein, falsch. Zwei behinderte Schauspieler und zwei nicht behinderte treffen sich, um das zu tun. Das ist die Rahmenhandlung dieser von Peter Radtke geschriebenen und inszenierten Produktion „Und raus bist Du“ im Kleinen Haus. Und ein wenig auch ihre Crux. Denn natürlich sind die beiden „normalen“ Mimen recht ignorant, was das Leben mit Behinderung angeht, und natürlich müssen die Gehandicapten – er in zornigem Leidenstrotz, sie mit verständnisvoller Diskussionsbereitschaft – erst mal informieren, erklären, statistisch beweisen und vermitteln, wie das ist. Ach, das wäre nicht nötig gewesen!


Bild: Behindert, nicht behindert – egal, wenn es um Theater geht. Julia Maronde, Jana Zöll, Olaf Danner und Jan Dziobek diskutieren in Peter Radtkes Integrationsstück „Und raus bis Du“ über das Leben mit Handicap. – Foto: Theater Ingolstadt

Denn mit schönem Theater prunkt die Inszenierung abseits ihrer hölzernen, so pädagogisch angelegten Rahmenhandlung. Mit bestens ausgesuchten Szenen von Shakespeare über Lessing bis hin zu Tabori, deren Protagonisten alle in irgendeiner Form mit Behinderung zu tun haben wie Tellheim in „Minna von Barnhelms“ oder Laura aus der „Glasmenagerie“, und die doch ganz andere, viel größere Geschichten erzählen. Mit einer spannenden Textauswahl: vom Alten Testament („Niemand, an dem ein Fehl ist, soll sich mir nahn“) über Ausschnitte aus Euthanasieprogrammen und Zitaten aus dem Buch eines zeitgenössischen Ethik-Professors in Princeton, die sich nur wenig unterscheiden. Und immer wieder mit wunderbarem Spiel.Freilich: Den zu platten Normalos abgestempelten Ingolstädter Schauspielern Julia Maronde und Olaf Danner bleibt oft nicht mehr als die Stichwortgeberrolle in der Rahmenhandlung („Haben Behinderte Sex“), nur als Minna von Barnhelm oder als Tennessee Williams’ Jim O’Connor können sie das gewohnte gute Können zeigen. Und auch Jan Dziobek im Rollstuhl muss allzu viel Energie für seine Plakativrolle des zornigen „Krüppels“ verwenden, anstatt für gute Szenen wie seine Version des Shakespearschen Richard III.

Aber Jana Zöll, wie Dziobek an der Akademie ausgebildete Schauspielerin, reißt alle(s) heraus. Weil man nach zwei Minuten ihre kleinwüchsige Gestalt vergessen hat und nur noch die Figuren sieht, die sie abseits der Rahmenhandlung spielt – und die sind mitunter eben nicht oder nur sehr gering gehandicapt. Hervorragend: die kleine Einzelszene aus Taboris „Jubiläum“. Zwei ewig gestrige alte Männer, die ihre gewohnte Parkbank am Rhein von einem behinderten Menschen besetzt finden, spielt Zöll da, rutscht schnell mittels Rollstuhldrehung von einer Figur in die nächste, lässt Taboris Worte delikat tönen: Das ist sensibles Spiel, hohe Präsenz, kommt auch im Verein mit den anderen drei Darstellern immer wieder vor – und vermittelt mit theatralen Mitteln mehr von der Komplexität des Themas als die gut gemeinte informative Rahmenhandlung, die Behinderte nur Behinderte spielen lässt.

Schön wäre es so gewesen: Vier Schauspieler, alle vier Profis, erarbeiten eine literarische Collage zum Thema „Behinderung“. Und finden diese wunderbaren, sprechenden Szenen in den Büchern. Dass zwei aus diesem Team behindert sind, ist so Zufall, wie sie Peter und Petra heißen. Und ebenso wenig erwähnenswert.

Von Karin Derstroff


26.06.2009 Süddeutsche Zeitung „Klein, benachteiligt und sehr begabt“

Klein, benachteiligt und sehr begabt

Theater Ingolstadt zeigt Stück über behinderte Menschen

Ingolstadt – Jana Zöll schminkt sich mit einem Handspiegel und pfeift eine Melodie. „Ich muss mich noch aufbrezeln“, scherzt sie, „die bösen Pickel.“ Die 24-Jährige aus der Eifel schreibt Theaterstücke und ist staatlich geprüfte Schauspielerin. Wenn sie Monologe rezitiert, dann füllt sie das Kleine Haus des Theaters Ingolstadt beeindruckend aus, obwohl sie sehr kleingewachsen ist, obwohl sie im Rollstuhl sitzt, obwohl sie an der Glasknochenkrankheit leidet. Darf man das schreiben – „obwohl“?

Man muss es schreiben, denn in ihrem ersten Engagement nach erfolgreichem Abschluss der Ulmer Akademie für darstellende Kunst darf Jana Zöll lediglich die Rolle einer Behinderten spielen. „Und raus bist du“ heißt das Stück, das am Donnerstag in Ingolstadt uraufgeführt wurde. Es spielen zwei Rollstuhlfahrer und zwei nichtbehinderte Mitglieder des Ingolstädter Ensembles, der Autor und Regisseur Peter Radtke leidet ebenfalls an der Glasknochenkrankheit.

Das klingt spannend, zumal die Nichtbehinderten profilierte Ensemble-Mitglieder sind (Julia Maronde und Olaf Danner). Der vierte Schauspieler Jan Dziobek war der erste Behinderte, der in Ulm ausgebildet wurde. Seit 2003 wurde der spastisch Gelähmte einmal in der Rolle eines Nichtbehinderten eingesetzt – soll man sagen: immerhin? Allerdings deutet der Untertitel („Ein Projekt über die Integration behinderter Menschen“) eine gewisse Schwerfälligkeit an, er klingt mehr nach Sozialamt als nach großer Kunst. Regisseur Peter Radtke räumt das ein: „Die Behinderten-Problematik ist auf der Bühne schwer zu vermitteln.“ Er entschied sich für eine szenische Collage – mit dem Inhalt, dass vier Schauspieler gemeinsam eine szenische Collage erarbeiten. „Ich will die Augen für die Missstände öffnen“, sagt Radtke, „und ich will zeigen, welche Chancen bestünden, wenn Regisseure den Mut aufbrächten, behinderte Schauspieler für nichtbehinderte Rollen einzusetzen.“

Das klingt gut gemeint. Andererseits bleibt die Frage, ob ein Stück „über die Integration“ nicht eher desintegrierend wirkt. „Natürlich hätten wir auch ein klassisches Stück zeigen können, in dem Behinderte mitwirken und alle sagen danach, das war ganz nett“, sagt Radtke, „aber ich denke, ein Stück, das auf Widerstand stößt, bringt die Menschen eher zum Nachdenken.“ Radtke versucht dies mit überraschenden wie schockierenden Texten aus der Weltliteratur bis hin zum Bericht einer Behinderten, die an einer Ingolstädter Schule abgewiesen wurde.

Jana Zöll setzte sich damals durch und machte an einem regulären Gymnasium Abitur. „Sie ist eine begnadete Schauspielerin“, sagt Radtke. Zöll selbst würde lieber eine nichtbehinderte Rolle übernehmen: „Dann hätten wir die Integration umgesetzt, so haben wir sie nur thematisiert.“ Doch sie verliert ihre gute Laune nicht: „Aber es ist ein Anfang.“ (Weitere Termine: 28. Juni, 1. Juli). Stefan Mayr

16.06.2009 Donaukurier „Auf der Suche nach Normalität“

Auf der Suche nach Normalität


Ingolstadt (DK) Deutscher Punkrock dröhnt aus den Lautsprechern. WIZO. „Du bist nicht der Mittelpunkt des Universums.“ Peter – im schwarzen AC/DC-T-Shirt – praktiziert dazu ekstatisches Headbangen. Hin und wieder trifft ihn ein missbilligender Blick. Petra mag es klassisch, schmökert gerade in Lessings „Minna von Barnhelm“ – und ist sichtlich genervt. Ist normal, könnte man meinen. Und doch irgendwie nicht. Denn Peter und Petra sitzen im Rollstuhl, heißen im wirklichen Leben Jan Dziobek und Jana Zöll, sind ausgebildete Schauspieler und Mitwirkende des Theaterprojekts „Und raus bist du“, das am 25. Juni im Kleinen Haus Premiere feiert.


Bild: Präsentieren eine literarische Collage zum Thema Behinderung: Jan Dziobek, Julia Maronde und Jana Zöll (von links).? Prob – foto: Rössle

Autor und Regisseur ist Peter Radtke, Schauspieler und Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien“, der selbst von der Glasknochenkrankheit betroffen ist und 2007 in Peter Reins „Don Karlos“-Inszenierung als Großinquisitor auftrat. Damals entstand die Idee zu einem eigenen Projekt zur Integration behinderter Menschen, um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren.Luther, Lessing, Tabori

Peter Radtke hat sich dazu entschlossen, ein eigenes Stück zu entwickeln, in einer literarischen Collage Texte der Weltliteratur mit authentischen Berichten zu verknüpfen. Denn zuvor hatte das Theater Ingolstadt einen Aufruf gestartet: Betroffene sollten von ihren alltäglichen Erfahrungen berichten. „Leider gab es nicht die erhoffte Resonanz“, erzählt Radtke. Gerade mal zwei Berichte kamen im Theater an. „Das war ein bisschen frustrierend“, gibt Radtke zu. Und hatte zur Folge, dass sein Stück sich nur am Rande auf die Situation in Ingolstadt bezieht, sondern sich ganz allgemein mit Behinderung, Ausgrenzung, Abhängigkeit, Sehnsüchten und Normalität beschäftigt.

Dazu hat Radtke Texte aus dem Alten Testament, aus den Tischreden Martin Luthers, aus Peter Singers „Praktischer Ethik“ mit Auszügen aus Shakespeares „Richard III.“ oder Williams’ „Glasmenagerie“, mit Tabori, Schiller und Mitterer kombiniert. Und lässt diese Texte von den Schauspielern kommentieren. Neben Jan Dziobek und Jana Zöll sind auch Julia Maronde und Olaf Danner aus dem Ingolstädter Ensemble bei diesem Projekt mit von der Partie. Sie hinterfragen in ihren Rollen als Claudia und Erwin das Verhalten, die Befangenheit, die Vorurteile Nichtbehinderter gegenüber Behinderten. So werden Theatertexte zitiert und interpretiert, man haut sich Statistiken um die Ohren, lässt Behindertenwitze vom Stapel, man zofft sich, man redet miteinander und macht sich doch irgendwie auf die Suche nach Normalität.

Olaf Danner freut sich, dass er Gelegenheit bekommt, auch mal mit körperbehinderten Kollegen zu arbeiten. Dziobek und Zöll sind Profis. Beide sind Absolventen der Akademie für darstellende Kunst in Ulm. „Sie gehen aber teilweise ganz anders an den Beruf heran. Und es ist immer gut, wenn man aus der eigenen Routine herausgerissen wird“, sagt Danner. Gab es denn auch mal die Angst, dass so ein Projekt nur gut gemeint ist – und nicht gut? Danner nickt. „Die Gefahr ist uns bewusst.“ Deshalb findet er die Diskussionen während der Proben zwischen den Schauspielern und dem Regisseur sehr wichtig. Es soll schließlich um Kunst gehen.

„Ein guter Theaterabend“

„Erst mal soll es ein guter Theaterabend werden“, sekundiert Kollegin Jana Zöll. Sie teilt Danners Bedenken. „Ich hätte einen klassischen Theatertext vorgezogen, in dem es nicht explizit wieder um Behinderte und ihre Problematik geht. Es wäre spannend gewesen, einfach mal zu gucken, was passiert, wenn ich für eine 08/15-Rolle besetzt werde.“ Deshalb mag sie besonders die Szenen aus der „Glasmenagerie“ oder „Minna von Barnhelm“. Aber auch ein Ausschnitt aus ihrem eigenen Stück „Die Liebe in Gedanken“ wird zu sehen sein.

„Ene, mene, muh – und raus bist du.“ Jan Dziobek spricht den Kinderreim, der dem Projekt den Titel gibt. Er spielt den Miese-„Peter“ im Stück, der sehr polemisch die Unterscheidung „wir und die anderen“ trifft. Dziobek legt Wert auf die Feststellung, dass Peter Radtke diese Rolle so angelegt hat. Und dass es in der ersten Phase harte Diskussionen gegeben hat, was man mit dem Stück überhaupt erreichen will. „Mir persönlich sind es zu viele Thesen, die einfach so stehen gelassen werden. Wenn es etwa um die Frage geht, wie viel Prozent der behinderten Frauen und Männer einen Partner finden. Ich habe Schwierigkeiten, in Beziehungsdingen eine Statistik anzuführen. Da geht es auch um Eigenverantwortung.“ Er schätzt Peter Radtke, sieht in ihm „in gewisser Weise ein Vorbild“. „Aber vielleicht sind Jana und ich einfach eine andere Generation, mit einem anderen Verständnis.“

Dziobek hat bereits in Michael Thalheimers „Hamlet“- Inszenierung am Thalia-Theater mitgewirkt, hat dort die auf eine einzige Figur reduzierte Schauspieltruppe verkörpert. „Das war nicht behindertenspezifisch besetzt und deshalb sehr, sehr spannend. Und da will ich eigentlich hin. Meine Vision ist, dass man so ein Projekt wie ,Und raus bist du‘ irgendwann gar nicht mehr thematisieren muss.“

Premiere ist am 25. Juni um 20 Uhr im Kleinen Haus des Theaters Ingolstadt. Weitere Termine sind am 28. Juni und am 1. Juli. Im Anschluss an die Vorstellungen sind Publikumsdiskussionen möglich.

Von Anja Witzke

22.5.2009 Express „Die wahren Superstars“germany express

„Besonderer Hingucker ist Jana Zöll. Die 24-Jährige sitzt im Rollstuhl, sie hat die Glasknochenkrankheit und ist kleinwüchsig. Nach dem Abitur hat sie ein professionelle Schauspielausbildung gemacht und schon in einigen Stücken gespielt – auf 90 Zentimeter verteilte Bühnenpräsenz! Da haben’s die anderen fast ein bißchen schwer.“

Liebe in vielen Facetten

Von Christine Badke, 01.09.08, 18:34h

Lebensnah und doch kunstvoll fächerte Jana Zöll im Theaterkeller des St.-Michael-Gymnasiums verschiedene Facetten der Liebe auf. Ihre Figur „Julia“ hatte sie mit einem hohen Reflexionsniveau ausgestattet

Jana Zöll schlüpfte in die Rolle der Julia. (Bild: Badke)

Bad Münstereifel – Die junge Schauspielschul-Absolventin war am Donnerstag mit ihrem eigenhändig geschriebenen Monolog „Die Liebe in Gedanken“ an ihre frühere Schule zurückgekehrt. Mit einem Regisseur von der Akademie für darstellende Kunst aus Ulm hatte sie das Stück erarbeitet, in Bad Münstereifel sorgte sie jetzt für zwei ausverkaufte Aufführungen.

Die Figur der Julia, die von Zöll selbst verkörpert wurde, barg vor allem in der Nachmittagsvorstellung, die von vielen Schülerinnen und Schülern besucht wurde, ein hohes Identifikationspotenzial. Denn Julia befand sich in einer Situation, die die meisten Jugendlichen bereits selbst durchstehen mussten: Sie ist verliebt – und weiß nicht, wie sie es „ihm“ sagen soll. Dieser Konstellation wusste die Schauspielerin aus Blankenheimerdorf komische, traurige und dramatische Seiten abzugewinnen. Jana Zöll gelang es mit ungeheurer Bühnenpräsenz, der Figur und ihrer Geschichte Leben und Spannung einzuhauchen.

Obwohl sie der monologischen Struktur gemäß 50 Minuten lang allein die Szene beherrschte, ließ ihr nuancenreiches Spiel Episoden des Zusammentreffens mit dem Angebeteten ebenso wie fantasierte Szenen eindringlich vor dem geistigen Auge erscheinen. Die 23-Jährige ist wegen ihrer Glasknochenkrankheit auf den Rollstuhl angewiesen; dass sie durch ihre Behinderung eingeschränkt ist, geriet während der Aufführung fast in Vergessenheit. Jana Zöll ließ ihre Julia sogar tanzen.

Innerer Monolog

Geschickt hatte Zöll in den Monolog Perspektiven und Brüche eingebaut, die diese sehr konzentrierte Form der Darstellung nicht eine Sekunde langweilig werden ließ. Da spricht Julia in einem inneren Monolog von ihren Ängsten, sie spielt alle verpassten und zukünftigen Möglichkeiten durch, wie sie sich doch noch offenbaren könnte.

Über die Beschreibungen der peinlichsten Momente und die Selbstbeschimpfungen der Protagonistin lachten die jungen Leute und die erwachsenen Besucher lauthals. Aber indem Jana Zöll ihre Figur mit hohem Reflexionsniveau ausstattete, lachten sie auch mit ihr – und über sich selbst, wie man an zustimmenden Gesten erkennen konnte. „Sogar den Jungs hat es gefallen“, zeigte sich später eine Lehrerin überrascht. Und das, obwohl Julia an der Spezies zum Teil kein gutes Haar ließ – etwa, was ihre „Begriffsstutzigkeit“ in Liebesdingen betrifft.

Jana Zöll konnte sich über kräftigen, lang anhaltenden Applaus und Glückwünsche freuen.

19.08.08 Kölner Stadtanzeiger „Warten auf eine Schöne Rolle“

Warten auf eine schöne Rolle

Von Christine Badke, 19.08.08, 17:28h

Jana Zöll hat die Schauspielschule absolviert – trotz der Glasknochenkrankheit. Bis zur Prüfung war der Weg hart und entbehrungsreich. Doch jetzt träumt die 24-Jährige von der großen Bühne.

Jana Zöll hat es geschafft, sie ist erfolgreiche Absolventin der Schauspielschule in Ulm. Jetzt kehrt sie mit einem selbst verfassten Theaterstück an das St.-Michael-Gymnasium zurück. (Bild: Badke)

BLANKENHEIM-BLANKENHEIMERDORF – In Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ hat sie bereits als Julias Amme auf der Bühne der Akademie für darstellende Kunst Ulm gestanden. Im August kehrt sie mit ihrem ersten selbst geschriebenen Theaterstück nach vier Jahren Studium an der staatlich anerkannten Schauspielschule an den Ort ihrer Schulzeit zurück: 55 Minuten Monolog, ganz allein auf der Bühne des St.-Michael-Gymnasiums. Davon können andere Schauspielschul-Absolventinnen nur träumen: Die Ausbildung ist hart, viele scheitern, und selbst, wer bis zum Schluss dabeibleibt, erhält keine Erfolgsgarantie. Jana Zöll bestand nicht nur mit sehr gutem Ergebnis, sie hat besonders große Mühen auf sich genommen, um ihr Ziel zu erreichen.
Bei den Aufführungen von Shakespeares „Romeo und Julia“ stand Jana Zöll als Amme mit ihrem Spielpartner Markus Hummel (Romeo) in Ulm auf der Bühne.

BLANKENHEIM-BLANKENHEIMERDORF – In Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ hat sie bereits als Julias Amme auf der Bühne der Akademie für darstellende Kunst Ulm gestanden. Im August kehrt sie mit ihrem ersten selbst geschriebenen Theaterstück nach vier Jahren Studium an der staatlich anerkannten Schauspielschule an den Ort ihrer Schulzeit zurück: 55 Minuten Monolog, ganz allein auf der Bühne des St.-Michael-Gymnasiums. Davon können andere Schauspielschul-Absolventinnen nur träumen: Die Ausbildung ist hart, viele scheitern, und selbst, wer bis zum Schluss dabeibleibt, erhält keine Erfolgsgarantie. Jana Zöll bestand nicht nur mit sehr gutem Ergebnis, sie hat besonders große Mühen auf sich genommen, um ihr Ziel zu erreichen.
Die junge Frau aus Blankenheimerdorf hat sich einen Beruf ausgesucht, der mit Fitness und einer Idealvorstellung von Schönheit und Unversehrtheit verbunden wird, die Bühnenstars von jeher zum Objekt von Sehnsüchten und Projektionen machen. Doch Jana Zöll entspricht diesen Kriterien nur bedingt: Die 24-Jährige ist nur rund 90 Zentimeter groß und sitzt im Rollstuhl. „Ich sage immer, dass ich ein nicht laufender Nicht-Meter bin,“ scherzt sie. So humorvoll und offensiv sie mit diesem Umstand auch umgeht, wird doch schnell klar, dass der Alltag der jungen Frau nicht immer ganz einfach ist.
Vielleicht ist es die andere Seite der Schauspielkunst, die ihren Teil zu Jana Zölls Berufswahl beigetragen hat: Die Möglichkeit, in der Rolle und der Fiktion Grenzen zu überschreiten, dramatischen Situationen des Lebens mit vielen Mitteln Ausdruck verleihen zu können, das Spiel mit der Verwandlung. Seit ihrer Kindheit leidet sie an der Glasknochenkrankheit, die nicht nur das Wachstum hemmte: Weil Jana Zölls Knochen leicht durchbrechen können, ist immer besondere Vorsicht geboten.
Daran wäre auch der Besuch des „normalen“ St.-Michael-Gymnasiums fast gescheitert. Denn viele Lehrer hatten Angst vor der Herausforderung, eine behinderte Schülerin unterrichten, betreuen und fördern zu müssen. Sie befürchteten viele krankheitsbedingte Ausfälle und nicht zuletzt, für etwas in Verantwortung genommen zu werden, dem sie sich nicht gewachsen fühlten. Doch schließlich stimmte die Schule zu, dass Jana genau wie ihre Schwester und ihr Bruder das Münstereifeler Gymnasium besuchen konnt.
„Vor allem der Direktor Paul Georg Neft hat das ermöglicht,“ sagt Zöll dankbar. Alle hätten, nachdem die Entscheidung einmal gefallen war, vollkommen hinter ihr gestanden. „Ich war dann weniger krank als die meisten meiner Mitschüler“, erinnert sich Jana Zöll. Nur drei Knochenbrüche habe sie in all den Jahren gehabt, eine Bilanz, die wohl viele Heranwachsende aufweisen. „Außerdem habe ich stets die Begabung besessen, mir diese Verletzungen in den Ferien zuzuziehen, so dass ich noch nicht einmal gefehlt habe“, meint die Schauspielerin lakonisch.
Ohne ihre Mutter aber wäre all das nicht möglich gewesen. Ulrike Zöll sicherte der Schule zu, ihrer Tochter jederzeit zur Verfügung zu stehen. Und so war die Mutter jeden Tag der Gymnasialzeit an Janas Seite – nur nicht im Unterricht. Oft war es dennoch für die Schülerin Jana nicht leicht. „Man kann unendlich einsam sein,“ sagt sie. Viele ihrer Mitschüler hätten sie gemobbt. „Richtige Sprüche kamen selten“, so Jana Zöll, „aber es gibt ja viele Möglichkeiten, jemandem zu zeigen, dass er nicht dazugehört.“
In einem war sie dann wieder in der gleichen Situation wie die anderen zukünftigen Abiturienten: Während der Oberstufe stellte sich für Jana Zöll die Frage „Was soll einmal aus mir werden?“ An ein Psychologie-Studium dachte die Schülerin zunächst.
Vorbild Peter Radtke
Als sie eines Abends im Fernsehen dem Schauspieler Peter Radtke lauschte, der selbst von der Glasknochenkrankheit betroffen ist, wurde ihr bewusst, dass das ihr Traum war: „Ich habe auch bei mehreren Theatergruppen am St. Michael gern mitgemacht. Ich bin nur erst nicht darauf gekommen, dass ich die Schauspielerei ja beruflich verfolgen könnte.“
In Ulm, recherchierte die angehende Schauspiel-Elevin, hatte die Akademie für darstellende Kunst ganz neu einen integrativen Studiengang eingerichtet. Zöll bewarb sich umgehend. Doch auch dort war man zunächst skeptisch. „Erst wollte mich die Schule nicht zum Vorstellen einladen. Nachdem ich aber auch dort geklärt hatte, dass meine Mutter während der Trimester mit nach Ulm kommt, durfte ich.“ Jana Zöll wurde aufgenommen.
Die erste Hürde war geschafft – und bildete den Auftakt zu vielen weiteren für sie und drei ebenfalls behinderte Bewerber. „Es gibt keinen Fahrstuhl in dem Gebäude“, nennt Jana ein Beispiel. Der wurde ihr immer wieder zugesichert und kam nie. Der Unterricht fand im zweiten Stock statt, ihre Mutter musste sie tragen. „Irgendwann bauten sie einen Treppenlift ein“, so Zöll. Doch den kann sie nicht benutzen: Allein kommt sie nicht auf den Sitz, und der Rollstuhl steht immer noch unten. Zu diesen äußeren Behinderungen kamen immer wieder auch didaktische Defizite und psychische Belastungen.
„Ausgeschlossen habe ich mich da auch oft gefühlt“, gibt Jana Zöll zu. Es sei nicht so schlimm gewesen wie manchmal in der Schulzeit, „aber es tut schon weh, wenn sich Zweiergruppen für szenische Trainings bilden sollen und man selbst bleibt immer übrig.“ Zöll nahm wie so oft ihr Schicksal selbst in die Hand, lamentierte nicht, überzeugte und fand Partner für die Aufgaben. „Die körperlichen Übungen zu Rhythmus, Beweglichkeit oder Tanzen waren auf gesunde Menschen ausgerichtet, trotz des Zusatzes „integrativ“ gab es noch kein geschultes Personal, das auf Jana Zöll eingehen konnte.
„Meistens musste ich mir selbst etwas ausdenken, um mitmachen zu können.“ Aber es gab auch kreative Lehrer, die mit ihr eine Brett-Konstruktion für die Steppübungen erfanden, und dauerhafte Freundschaften hat Jana auch geschlossen. „Für alle ist die Ausbildung an der Schauspielschule eine Extremsituation“, meint Jana, die nicht immer eine Sonderrolle einnehmen will.
Wie oft hat sie gedacht: „Ich halte es nicht mehr aus, ich höre auf.“ Wahrscheinlich aber, vermutet sie, ist das jedem so gegangen. Jetzt gehören viele Erfahrungen zu den schönsten in ihrem bisherigen Leben. „In den Proben zu Romeo und Julia ist sie völlig aufgegangen“, blickt Janas Mutter zurück, die ganz nebenbei bei aller Mühe die Zeit auch intensiv und positiv empfunden hat. „So oft war ich noch nie im Theater wie damals.“
Jana Zöll ist froh, dabei geblieben zu sein. Die Ausbildung habe ihre Persönlichkeit gestärkt, ihre Stimme, Atmung und Beweglichkeit verbessert wie auch das allgemeine Wohlbefinden: „Ich habe weniger Schmerzen.“
Auf Bewerbungen bei Theater, Film und Fernsehen hat sie bisher nur Absagen erhalten. Doch entmutigen lassen will sie sich nicht. Jana überlegt, weiter mit ihrer Stimme zu arbeiten, etwa bei Synchronisationen. Und vielleicht, sagt Jana Zöll mit ihrem oft bissig-charmanten Humor, gibt es ja eine Rolle, „bei denen sie genau jemanden in meiner Situation brauchen, dann gibt es ja nicht so viel Auswahl.“ Auch ein weiteres Studium könnte sich die 24-Jährige vorstellen. Vor allem ihr Schreiben will sie vorantreiben. Für ihr Stück erhielt sie bei der Uraufführung an der Schauspielschule schon viel Lob. Jetzt ist Jana Zöll gespannt, wie sie damit an ihrer alten Schule ankommt.
„Die Liebe in Gedanken“ ist der Titel des Monologs. Der Plot: Eine junge Frau zögert, einem Mann ihre Liebe zu gestehen. Er interessiert sich nicht für sie, sie weiß es, will es ihm aber sagen. So sinniert sie im Verlauf des Abends über Spielarten der Liebe und verpasste Möglichkeiten. Die Aufführungen für Zuschauer ab 13 Jahre im Theaterkeller des St.-Michael-Gymnasiums beginnen am Donnerstag, 28. August, um 14.30 Uhr und um 19 Uhr. Anmeldungen sind bei Elke Andersen möglich, die das Stück als Gastspiel in das Programm des Kinderschutzbundes nach Münstereifel holte, 0 22 53/44 74

17.06.08 Südwest Presse „Vom Geheimnis des Verliebtseins“ (Kritik zu „Die Liebe in Gedanken“)

Sept. 07 Kölner Stadtanzeiger „Wie fühlt es sich an, im Rollstuhl zu sitzen“

3.5.07 Südwest Presse „Barfuß und agil auf Freiersfüßen“ (Kritik zu „Romeo und Julia“)

Die ander Paraderolle, Julias Amme, wird von Jana Zöll übernommen. Die behinderte Schauspielerin, die im Rollstuhl sitzt und zu der sich die Akteure hinunterknien müssen, um von ihr über den Kopf gestreichelt zu bekommen, agiert mit großer Präsenz.

Mai 2007 http://www.rehacare.de „Rollis erobern die Bühne“

Da ruft eine hohe Stimme: „Hey, Fräulein! Fräulein?“ und ein Vorhang öffnet sich. Julias Amme fährt in einem Rollstuhl hinein. Entsetzt starrt sie auf den Körper des Mädchens. Mit einem Staubwedel, der ihre kurzen Arme verlängert, tippt sie Julia an: „Sie ist tot. Verblichen. Oh Unglückstag!“ – „O.K., das war gut!“, ruft die Theaterregiestudentin Kristina Maria Bock, „nächste Szene!“
Die Amme, im echten Leben Jana Zöll, hat OI, Osteogenesis Imperfecta, besser bekannt unter dem Begriff „Glasknochen“. Nur mit Rollstuhl kann sich die kleinwüchsige Studentin fortbewegen.

Die Amme überbringt der wartenden Julia die Nachricht, dass Romeo sie heiraten möchte. Julia nimmt sie in Empfang und schiebt ihren Rollstuhl stürmisch über die Bühne – hier müssen beide aufpassen: „Jana, du musst früher bremsen. Sonst liegst du noch im Publikum.“ Und dann hat Julia eine Idee: „Darf ich die Bremsen mit einbauen? Ich könnte sie aufgeregt hin und her schalten, wenn ich nach Romeo frage.“ Zusammen mit der Regisseurin probieren die zwei das aus. Und plötzlich wird das Hilfsmittel Teil der Inszenierung.

Apr.2007 Speyerer Morgenpost „Gute Nacht für Behinderten Stiftung“

Einen besonderen Höhepunkt bildete die Schauspielerin Jana Zöll mit einer Szene aus „Antigone“ von Jean Anouilh sowie dem „Monolog 5“ von Thea Dorn. Die durch die Glaskochenkrankheit an den Rollstuhl gebundene Künstlerin fesselte die Besucher allein durch die Präsenz ihrer Stimme und Ausdruckskraft, so dass die Stille in der Kirche während ihrer Darbietung fast greifbar wurde.

Apr. 2007 Die Rheinpfalz „Unvergessliche Momente als Brücke zur Integration“

Auch die Schauspielerin Jana Zöll, die als erst Absolventin des integrativen Studiengangs „Darstellende Künste für Menschen mit Körperbehinderung“ an der ADK Ulm studiert, fesselte mit ihren Beiträgen eines szenischen Spiels aus „Antigone“ und als Frau aus „Monolog 5“ von T. Dorn die Menschen. Der Strahler folgte der Schauspielerin, die in einem Rollstuhl saß, auf ihrem Weg durch die Bankreihen.
„Was wird mein Glück sein?“ schrie sie als Antigone. „Ich will es jetzt!“ Bereits in der Grundschule hat Jana Zöll eine Theater-AG besucht. „Auf der Bühne fühle ich mich wohl, auf der Bühne fühle ich mich sicher“, teilte sie ihre Empfindungen dem Publikum mit.

Dez. 2005 Litfass-Säule „Erzähl-Theater begeisterte (Kritik zu: „Den Sternen so nah“)


Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: